Fliegen macht (manchmal) keinen Spaß…

Heute berichte ich mal über Demotivation und Zweifel – eine Seite, die auch zu den Erfahrungen eines Flugschülers gehört. Denn so sehr die Fliegerei mich auch begeistert, während der Flugausbildung ist nicht immer alles Sonnenschein und es läuft nicht alles glatt.

Nachdem ich länger nicht in der Luft war, habe ich die vergangene Woche Urlaub genommen und die Zeit intensiv zum Fliegen genutzt. Ich habe mich sehr darauf gefreut, wieder im Cockpit zu sitzen und war jeden Tag am Flughafen in Lübeck, um mit meinem Fluglehrer Jens diverse Missions zu fliegen.
Auf dem Programm stand ziemlich viel Airwork, u.a. Ziellandeübungen mit simuliertem Motorausfall, Steep Turns mit 30° und 45°, Höhenflug bis FL85, Navigation (Erfliegen von VOR-Radialen, Nutzung des Bord-GPS etc.), S-Kurven um eine Bodenlinie (in diesem Fall die Autobahn), Slip-/Crab-Übungen, Strömungsabriss in Landekonfiguration und Recovery aus Unusal Attitude (nose high und nose down), dazu die üblichen Platzrunden.

Obwohl mir meine Ausbilder von Beginn an durchweg gute Leistungen bescheinigen, hatte ich in dieser Woche Probleme. Jedenfalls meinte mein Kopf, diese haben zu müssen. Mit meinen Anflügen und Landungen war ich unzufrieden und je besser ich es machen wollte, desto unruhiger wurde das gesamte Manöver. Aus irgendeinem Grund wollte die Centerline einfach nicht in der Mitte bleiben und es wollte mir kaum gelingen, das Flugzeug in einen stabilen Anflug zu bringen. Zwischendrin war ich der Meinung, dass ich nie mehr lernen würde, wie man ein Flugzeug landet. Bei den Steep Turns hatte ich Schwierigkeiten, die Höhe sauber zu halten und musste auch hier feststellen, dass mein Ehrgeiz es besser zu machen, alles nur „Verschlimmbesserte“. Dazu kam eine grundsätzliche Unzufriedenheit, weil ich es noch immer nicht geschafft habe, mich zur Theorieprüfung anzumelden. Ohne Theorie kein Solo-Flug, ohne Solo-Flug kein Fortschritt. Alles in allem eine ziemlich frustrierende Angelegenheit. 🙁

Interessanterweise hatte ich schon vor Beginn meiner Ausbildung in diversen Büchern und Online-Texten von diesem „Motivations-Loch“ in der Mitte der Schulung gelesen. Offensichtlich ging es den meisten Flugschülern so wie mir und fast alle hatten damit zu kämpfen, es an einem bestimmten Punkt einfach nicht mehr „auf die Reihe“ zu kriegen – jedenfalls gefühlt. Und da auch Fluglehrer dieses Phänomen kennen, hatte Jens die großartige Idee, es am letzten Tag der Woche einfach mal ruhig angehen zu lassen. Konkret hieß das, einen Flug nahezu ohne Manövertraining durchzuführen. Einfach nur nach dem Start aus der Kontrollzone raus Richtung Ostsee, über die Wolken steigen und über Fehmarn und der Lübecker Bucht einen grandiosen Abendhimmel genießen! Zwischenzeitlich hatte ich sogar Jens gebeten zu steuern, um einfach mal in Ruhe aus dem Fenster zu schauen. Der Anblick und die Ruhe machten mir wieder klar, wofür ich eigentlich fliege…

Abendhimmel

Abendhimmel über der Lübecker Bucht.

Licht vor Sonnenuntergang

Licht vor Sonnenuntergang

Irgendwann hieß es nach einem „You have control!“ vom rechten Sitz wieder das Steuer zu übernehmen und zurück nach EDHL zu fliegen, um vor Sunset zu landen. Und wie fast immer im Leben endete auch dieser Tag versöhnlich – mit einer schönen, sanften Landung auf einer voll beleuchteten Landebahn!

Mittlerweile ist mir klar, dass es nur einen Weg aus dem „Loch“ gibt: Dranbleiben und Fliegen!! Und genau das mache ich auch: Ich habe mich zur theoretischen Prüfung angemeldet und sitze am kommenden Wochenende wieder im Cockpit – „I have control!“

9 Antworten zu “Fliegen macht (manchmal) keinen Spaß…

  1. …ich bin Ende September mit dem Schein fertig geworden und du hast recht…dran bleiben ist das wichtigste…man kann sich’s oft selbst nicht recht machen…oder man landet wirklich einfach bescheiden.
    Du scheinst mir auch streng zu dir selbst zu sein (bin ich auch)…man fragt sich dann selbst …war das wirklich eine gute Idee? ….in dem Fall: Ja, war es! …der Unterschied zwischen Leuten die es geschafft haben und denen die scheitern liegt oft nur ein „Arschbacken zusammen und durch“….und nicht mehr!!!. Alles Gute auf deinen weiteren Weg.

  2. Halte durch! Gehört alles dazu, zum Fliegen und zum Leben und überhaupt und so. Den Lappen wieder abgeben kannste dann am Ende ja immer noch :-)))

  3. Am 14.06.2012 habe ich die PPL-Prüfung bestanden, und auch ich war dem Aufgeben nahe. Ich habe mir echt Gedanken gemacht, ob das Fliegen das Richtige für mich sei. Während der Platzrunden-Zeit habe ich mir dann mal ein paar Wochen Pause genommen, und danach hatte ich fast sofort den ersten Alleinflug. Und jeder Flugschüler berichtet von diesem Moment, in dem man am liebsten aufgeben würde. Später fragt man sich dann, warum man diese Probleme überhaupt hatte. Viel Spaß weiterhin und Happy Landings!

  4. „schön“ zu lesen, dass es nicht nur mir so geht/ging. 😉 ….ich habe dies aber auch als entwicklungsschritt angeschaut und somit überwunden: morgen ist praktische prüfung!! ……bleib dran und erinnere dich mal wieder daran, warum du dich mal für eine flugausbildung entschieden hast. mir macht das fliegen wieder richtig spass :-))

  5. ich bin zwar segelflieger und kein motorflieger aber bei mir war es auch so. in den wochen vor meinem ersten alleinflug wollte einfach nichts klappen aber als ich mich dann endlich freigeflogen hatte war ich umso glücklicher 😀

  6. Wunderschöne Fotos!!! Ich habe von diesem Loch auch gehört, hatte aber wohl das Glück meine Ausbildung mit hohem Tempo durchziehen zu können und vor allem mich alleine auf’s fliegen konzentrieren zu können.
    Bei uns im Verein (zumindest in meinem Jahrgang) wurde die fliegerische Ausbildung erst nach dem Bestehen der Theorieprüfung begonnen und dann ging es Schlag auf Schlag und Gott sei Dank mit genug Freiheiten, um immer wieder Lust zu tanken…
    Am 05. April war mein erster Flug, am 04.Mai hatte ich meinen ersten Alleinflug, am 12. Juni meinen Solo-Überlandflug und am 27. Juli habe ich die praktische Prüfung gemacht. Da blieb nict viel Zeit für „Durchhänger“.
    Bei den anderen Schülern im Kurs war es aber wohl ähnlich wie Du es beschrieben hast…

  7. Vielen Dank für Eure zahlreichen Kommentare und Ermutigungen. Schön zu hören, dass so ein Motivations-Loch offensichtlich der Normalfall ist. Allein die Auseinandersetzung mit dem Thema hilft schon, um neue Motivation zu schöpfen. Sobald das Wetter wieder mitspielt, bin ich wieder in der Luft! 🙂

    P.S.: Freue mich sehr, dass Ihr aktiv an meinem Blog teilnehmt!!

  8. Hallo, toller Blog! Habe selbst vor einem Jahr den Schein gemacht. Komisch, seitdem ich ihn habe traue ich mich selten ins Cockpit. Ich habe in gewisser Weise Angst das ich was falsch mache, das etwas passiert, dass der Wind mich umhaut oder oder oder…
    Kennt ihr das auch?

Schreibe einen Kommentar zu Michael Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*