Möwenkiller im Lufttaxi

Nach Abschluss des ersten Theorieblocks sammelt unser Kurs seit ein paar Wochen erste Erfahrungen in der Luft. Auch ich fliege fleißig in der Gegend rum und versuche, das bisher Gelernte zu verfeinern und die Zeit mit Landetraining und Airwork sinnvoll zu nutzen. Da ich bereits im Besitz der PPL bin, benötige ich für meine Soloflüge keinen Flugauftrag, so dass ich bei passendem Wetter ganz unkompliziert ein Flugzeug buchen und losfliegen kann. In der Regel geht es zu den benachbarten Plätzen in Dinslaken (EDLD) und Marl (EDLM) oder in die sogenannte ‚Nördliche Trainingsarea‘ im dünn besiedelten Gebiet zwischen nördlichem Ruhrgebiet und holländischer Grenze.

Das für einen Herbst ungewöhnlich gute Wetter führt dazu, dass sehr viel geflogen werden kann. Meist entscheidet es sich aber erst sehr kurzfristig, ob man starten kann oder nicht, da einem Nebel und Dunst in Bodennähe trotz Sonne und blauem Himmel besonders morgens einen Strich durch die Rechnung machen können. Ich habe mich daher sehr gefreut, dass ich nach dem fünften oder sechsten Anlauf endlich einen passenden Tag erwischt habe, um nach Münster-Telgte (EDLT) zu fliegen. Dort habe ich mich mit meiner Schwägerin, ihrem Mann und deren beiden Kindern getroffen, für die es natürlich ein ganz besonderes Erlebnis war, in ein echtes Flugzeug klettern zu dürfen. Während eines Ausbildungsfluges, auch wenn er solo durchgeführt wird, darf ich außer Mitschülern leider keine Passagiere mitnehmen, so dass ich keinen Rundflug mit der Verwandtschaft machen konnte. Aber die Freude war trotzdem groß, so dass ich mit Einbruch der Dämmerung zufrieden wieder nach Essen fliegen konnte.

Ein weiteres Highlight der vergangenen Tage war für mich der erste Flug mit offizieller Mission: Der in der TFC-Flotte beheimatete Oldtimer, die „DeHavilland D.H. 104 Dove (D-INKA)“ musste nach Hoogeveen/NL zur Werft geflogen werden. Meine Aufgabe war es, mit der Piper PA28 hinterher zu fliegen, die Crew vor Ort einzusammeln und wieder nach Essen-Mülheim zu fliegen – ein Taxiflug sozusagen. Ein tolles Erlebnis, mit einem außergewöhnlichen Flugzeug wie der Dove bei bestem Wetter in Formation ins Nachbarland zu fliegen. Die Navigation über eine weite Landschaft aus Feldern und Kanälen war unproblematisch, ebenso der Funkverkehr mit DUTCH MIL, dem niederländischen Fluginformationsdienst. Der Empfang bei der Werft war sehr herzlich und in den Hallen neben der Graspiste gab es das ein oder andere Schmuckstück der Luftfahrt zu bestaunen. Leider hatte das Flugplatz-Restaurant geschlossen, so dass wir uns keine Kalorien in Form von Appelgebak und Patat special zuführen konnten 🙂

Dove-Formation

Mit der DeHavilland D.H. 104 (D-INKA) in Formation auf dem Weg nach Hoogeveen/NL

DeHavilland DH104 Dove (D-INKA)

DeHavilland D.H. 104 Dove (D-INKA)

Fluglehrer auf Ladefläche

Standesgemäßer Fluglehrer-Transport von der Werft zurück zum Vorfeld – in Holland wohlgemerkt… 🙂

Eine Woche später durfte ich dann auch die Abholung der D-INKA wieder als Taxiflieger begleiten. Mit dabei war diesmal mein Mitschüler und Freund Ole, der auf dem Rückflug in den Genuss kam, auf dem Co-Piloten-Sitz der Dove mitzufliegen, während ich mich alleine wieder auf den Heimweg gemacht habe. Allerdings war ich ganz froh, weniger Gewicht im Flugzeug zu haben, da die Grasbahn recht nass und aufgeweicht war, was die Startstrecke doch deutlich verlängert.

Nasse Graspiste

D-EFTE in Hoogeveen – vor aufgeweichter Graspiste mit Möwen-Friedhof

Dieser Untergrund ist offensichtlich bei Vögeln sehr beliebt, denn bei der vorangegangenen Landung stieg plötzlich kurz vor dem Flugzeug ein ganzer Schwarm Möwen auf, was mir meinen ersten „Birdstrike“ mit zwei toten Möwen, den Spitznamen „Lt. Col. Möwenkiller“ und ein schlechtes Gewissen bescherte – schließlich hatte ich nicht vor, die Kollegen der fliegenden Fraktion aus dem Leben zu katapultieren. Meine Mitflieger versicherten mir jedoch, dass ich so kurz vor dem Aufsetzen nichts hätte tun können, um die Kollision zu verhindern. Immerhin war das Flugzeug unbeschädigt geblieben, so dass dem Rückflug nichts im Wege stand.

Ich hoffe, dass das Wetter weiterhin gnädig ist und ich bis zum großen ATPL-Theorieblock im Frühjahr noch häufig in die Luft komme – ohne dabei den Möwen zu Nahe zu kommen…

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