Ausgependelt

Endlich wieder Fliegen!! Am Sonntag war ich das erste Mal nach Wochen wieder in der Luft und habe richtig Spaß dabei gehabt. Vor der Reha in Bonn war ich ja leicht gefrustet über meine (gefühlt) mangelnden Landefähigkeiten (siehe Post „Fliegen macht manchmal keinen Spaß„), aber die Pause scheint ganz gut getan zu haben. Plötzlich lief alles wie am Schnürchen, die „Pendelei“ im Anflug war auf mysteriöse Weise einfach verschwunden. Selbst bei recht markantem Seitenwind habe ich das Flugzeug auf der Mittellinie der Bahn abgesetzt – die ersten Male zu meinem eigenen Erstaunen. Vielleicht hat es auch am mentalen Flugprogramm gelegen, das ich am Abend zuvor im Bett absolviert habe: Ich bin einfach die Phasen des Fluges durchgegangen und habe im Geiste alle Handgriffe und Funksprüche durchgeführt. Entscheidend war vermutlich die äußerst komplizierte Zusammenfassung: „Morgen landest du einfach ohne zu pendeln.“ Hat geklappt 🙂

Das stärkt natürlich das Selbstvertrauen und motiviert enorm. Zum ersten Mal während der Ausbildung habe ich selbst das Gefühl, eine gewisse Souveränität zu besitzen – zumindest für die Standardabläufe. Mein Fluglehrer behauptet das zwar schon länger, aber jetzt spüre ich es erstmalig auch. Das gibt mir die Freiheit, mich auf Feinheiten, wie etwa das Verbessern des Ausrundens, zu konzentrieren. Es macht unglaublich viel Spaß, wenn man den Ehrgeiz entwickelt, die nächste Landung noch besser als die letzte zu machen. Natürlich bin ich noch weit davon entfernt, perfekte Landungen hinzulegen, aber darum geht es ja auch nicht. Und mal im Ernst, wer kann das schon jedes Mal?! Neben Können, Erfahrung und Gefühl gehört ja auch immer ein bisschen Glück dazu…

Weil das alles so gut funktioniert hat, haben wir heute das schöne Wetter genutzt und einen weiteren Schritt auf dem Weg zum ersten Solo gemacht: Ziellandeübungen. Bei dieser „forced landing“ wird ein Motorausfall in 2.000ft simuliert. Die Aufgabe besteht nun darin, mit stehendem bzw. leerlaufenden Motor die Höhe so einzuteilen, dass man nicht zu hoch und auf keinen Fall zu tief über der Schwelle des Notlandefeldes, in diesem Fall der Landebahn in EDHL, rauskommt. Neben den vier möglichen Klappenstufen der D-EMRY (0°, 10°, 25° und 40°) gibt es noch ein weiteres Mittel, das man zur Beeinflussung des Gleitweges verwenden kann: das Fahrwerk. Die PA28 ist in der Arrow-Version mit einem Einziehfahrwerk ausgestattet und sobald man das ausfährt, hat man förmlich einen Anker geworfen. Der Widerstand unter dem Rumpf lässt das Flugzeug deutlich stärker sinken und langsamer werden. Allerdings sollte man beachten, es nicht erst kurz vor dem Aufsetzen auszufahren, schließlich braucht es ca. sieben Sekunden, bis es ausgefahren und verriegelt ist. Und sieben Sekunden können ganz schön lang werden, wenn der Boden immer näher kommt.

Fliegerisch ist der Start in das Jahr 2014 schon mal gelungen. Bin gespannt, wie es weitergeht. Wenn das Wetter mitmacht, werde ich diese Woche noch ein paar Mal fliegen – und das sicher nicht nur mental 🙂

Ziellandung in Lübeck

Erfolgreiche Ziellandung auf der Piste

Ungewohnte Perspektive

Ungewohnte Perspektive bei der Ziellandung in EDHL

Eine Antwort zu “Ausgependelt

  1. Siehste, so rum geht ja auch 🙂
    Jetzt nur nicht nachlassen!!!
    Die Welt braucht mehr Piloten, soviel steht mal fest …

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