Earlybird und Flugzeugbauer

Überrascht musste ich feststellen, dass Facebook mit seiner Einblendung „Du hast seit 291 Tagen nichts gepostet, 163 Personen, denen blog.holgerschoenenberg.de gefällt, haben lange nichts von dir gehört.“ tatsächlich recht hat. Unglaublich, manchmal vergeht die Zeit im wahrsten Sinne des Wortes wie im Flug! Nun, hier kommt endlich ein Update für Euch. Seit Februar hat sich eine Menge getan, so dass ich hier eine komprimierte Zusammenfassung schreiben werde. Zukünftig versuche ich wieder etwas regelmäßiger zu schreiben, versprochen…

Ein besonders schönes Erlebnis war im Juli ein Ausflug zum Flugplatz Tannheim bei Memmingen. Die Veranstalter des TANNKOSH Fly-Inn, Verena und Matthias Dolderer, hatten zum Sommerfest eingeladen und ein tolles Programm mit Live-Musik, Vorführung des legendären Fliegerfilms „Top Gun“ auf einer Großleinwand unter freiem Himmel und Cocktails im Sonnenuntergang geplant. So kam es, dass sich unsere Flugschule mit einer Armada von fünf Flugzeugen auf den Weg nach Süden machte, im Gepäckfach Zelte und Schlafsäcke, um direkt neben den Flugzeugen zelten zu können. Wir waren extra schon einen Tag früher eingeflogen, da der Leiter unserer Flightbase in Essen-Mülheim die Idee hatte, von Tannheim aus einen „Earlybird-Flight“ zur Zugspitze zu machen. Gesagt getan, also früh um vier Uhr raus den Schlafsäcken und nach eine Katzenwäsche rein in die Flugzeuge. Das Szenario beim Start hatte was von Flugzeugträger, da alle Maschinen hintereinander eine nach der anderen auf die Startbahn rollten und in die Morgendämmerung abhoben. Die Belohnung für das frühe Aufstehen war ein wirklich grandioser Sonnenaufgang und ein atemberaubendes Panorama an der Zugspitze, die wir mehrfach umkreist haben – natürlich alle Flugzeuge in der gleichen Drehrichtung. Nach der Rückkehr zum Flugplatz gab es erstmal ein ausgiebiges Frühstück unter freiem Himmel, eine heiße Dusche und für den ein oder anderen noch eine Mütze Schlaf 😉

Die TFC-Flotte in Tannheim.

Die TFC-Flotte in Camping-Formation.

Spannende Gäste zum Sommerfest in Tannheim.

Spannende Gäste zum Sommerfest in Tannheim.

Angekommen mit dem Camping-Mobil :-)

Angekommen mit dem Camping-Mobil 🙂

Blick auf die Zugspitze.

Blick auf die Zugspitze.

Während des Tages hatten wir bis zum Beginn des Abendprogramms die Möglichkeit, Ausflüge mit dem Flugzeug z.B. zum Bodensee zu machen. Sehr lehrreich, wie sich Theorie manchmal in die Praxis übertragen lässt: Der Flugplatz Tannheim liegt sehr hoch, ebenso waren die Temperaturen hoch, also ungünstige Bedingungen für die Leistung von Motoren. Spannend zu sehen, wie schwerfällig sich Flugzeuge unter diesen Bedingungen unter Ausnutzung fast der gesamten Startbahn in die Luft quälen. Bislang hatten wir über die Gefahren, die aus diesen Bedingungen resultieren, immer nur gesprochen, hier gab es eine Live-Demonstration.

Mit dem Flug nach Tannheim habe ich auch mein Flugstunden-Soll erfüllt, um die CPL-Phase der Praxisausbildung abzuschließen. CPL steht für Commercial Pilot License, also die Berufspiloten-Lizenz, die eine Stufe unter der Verkehrpiloten-Lizenz (ATPL, Airline Transport Pilot License) steht. Bis nach der ATPL-Theorieprüfung beim Luftfahrt-Bundesamt (LBA) werde ich also kaum noch in die Luft kommen, weil es laut Ausbildungsplan keine Stunden mehr zum Abfliegen gibt, aber mit Blick auf das Wetter im Herbst/Winter gilt: Was man hat, hat man!

Aktuell haben meine Kurs-Kollegen und ich den ATPL-Theorieunterricht hinter uns gebracht. Mehr als 750 Stunden lang wurde uns den Sommer über von unseren Lehrern im Frontalunterricht, d.h. ganz klassisch per Unterricht im Klassenraum, das theoretische Rüstzeug für das Bestehen der Theorieprüfung beim LBA mitgegeben. Wie so häufig, teilt man als Schüler nicht unbedingt die uneingeschränkte Begeisterung des Fachlehrers für sein jeweiliges Fach, so dass ich mich bei aller Faszination für die Fliegerei manchmal gefragt habe, warum ich beispielsweise ein gefühltes Aerodynamik-, Flugzeugbau- oder Luftrecht-Studium absolvieren muss – dabei will ich doch „nur“ fliegen und kein Flugzeug bauen. So waren die meisten von uns froh, diesen Abschnitt beendet zu haben und nun in der sogenannten „Homestudy-Phase“ im Eigenstudium das wirklich Wesentliche und Relevante für die Prüfung zu pauken. Wobei auch da häufig Zweifel aufkommen, denn die 14 Prüfungsfächer werden über einen Pool von ca. 10.000 Fragen abgefragt, von denen viele recht praxisfremd und arg konstruiert bzw. zum Teil sogar fehlerhaft sind. So besteht die eigentliche Herausforderung darin, eine gute Lernstrategie zu haben und sich jeden Tag aufs Neue zu motivieren, den PC anzuwerfen und über viele Stunden Fragen zu klicken. Dabei gibt es natürlich Aufs und Abs, an manchen Tagen hat man das Gefühl, es niemals zu schaffen, während an anderen Tagen der Optimismus überwiegt. Dann kann es sogar Spaß machen, sich zu überlegen, womit man bei einer Frage aufs Glatteis geführt werden soll. Aber zugegeben, das ist eher selten der Fall.

Anfang Januar 2016 ist es soweit, dann wird sich in jeweils drei Tagen im Rahmen der Vor- und Hauptprüfung beim LBA zeigen, ob sich die Mühe und Plagerei der letzten Monate gelohnt hat. Nun heißt es im Endspurt also „Zähne zusammenbeißen“ und irgendwie da durch!

2 Antworten zu “Earlybird und Flugzeugbauer

  1. Hallo Holger

    Schöne Sache – Ich bin dann quasi einen Tag später in Tannheim aufgeschlagen und hab in dieser Woche meine Kunstflug-Lizenz erworben – Das war Aufgrund von meiner bereits Zuhause begonnnen Kunstflugausbildung und guten Tipps/Trainingsstrategie von meinem Fluglehrer dann letztendlich möglich.
    …die Woche war ordentlich dicht gedrängt und ist echt anstrengend…ohne vorherigem Training innerhalb einer Woche fast chancenlos. – Die Temperatur war, wie du schon gesagt hast auch nicht schlecht – dadurch gings meinem Magen auch nicht besser 😉

    Gratuliere zu deinem massiven Voranschreiten – des nett man beherzt! – Dass das Lernen ordentlich zäh ist kann ich mir vorstellen. Die Prüfungsfächer machst ja glaub ich auch auf mehrere Tage aufgeteilt.
    Sag, ich dachte für den ATPL od. CPL gibts gar keine Trainings-/Fragen – Software sondern nur für den PPL? – Ist da doch was verfügbar ?(Frag jetzt nur aus Neugier-hab in nächster Zukunft nix in der Richtung vor).

    Liebe Grüße und weiterhin viel Erfolg
    Rouven Mair

    • Hallo Rouven,

      Glückwunsch zur Kunstflug-Berechtigung! Kann mir sehr gut vorstellen, dass das nicht unbedingt nur Spaß war bei den Temperaturen. Das war ja so schon anstrengend, ohne im Cockpit zu sitzen 🙂

      Doch, auch für die ATPL-Theorie gibt es Fragentrainer, z.B. bei http://www.cat-europe.com oder bei http://www.aviationexam.com. Ganz ohne Software wäre es glaub ich echt schwer, die Prüfung zu bestehen, da die Art der Fragestellung zum Teil schon recht speziell ist.

      Dir auch alles Gute weiterhin und beste Grüße,
      Holger

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